Sonntag, 28. August 2011

Mein Diabetes… Teil 2

So, nun endlich geht es weiter… Ich erzähle Euch also einfach mal ein simplen Ablauf eines Abends am Wochenende. Unter der Woche ist es anders, da arbeite ich ja immer (Dauerspätschicht).

Also… Ich habe Appetit auf ein paar Brotscheiben mit Käse und Wurst. Vielleicht noch ein wenig Nutella. Alles was Kohlenhydrate hat, muss berechnet werden. Aber nur solche, die auch wirken. Es gibt z.B. auf sogenannte Diätschokoladen die Zutat “mehrwertige Alkohole”… Die dort auch zu Kohlenhydraten gezählt werden. Aber keinen Blutzuckeranstieg verursachen. Auch Kohlenhydrate einiger “normaler” Lebensmittel wirken anders. Aber soviel will ich gar nicht erzählen… Zwinkerndes Smiley

Ich wollt ja nur ein bisschen Brot mit Wurst, Käse und Nutella vertilgen. Also das Brot hat laut Aufschrift knappe 45g Kohlenhydrate pro 100g. Ich möchte 4 Scheiben essen. Packe sie auf die Waage… und die zeigt mir 226 Gramm an. Also 2,26 mal 45… ergibt 101,7g Kohlenhydrate. Wurst und Käse brauch ich nix zu berechnen. Teils stehen zwar auch Kohlenhydrate drauf, aber das sind zu geringe Mengen. Bei mir jedenfalls. Ich kann also theoretisch Wurst und Käse futtern, ohne zu Spritzen.

Das Nutella ist ein wenig problematisch. Es klebt. Und so wird es irgendwie schwierig ein genaues Gewicht zu bekommen. Aber zum Glück gibt es diese kleinen Mini-Frühstückspackungen. Meine haben 30g Inhalt und sollen pro 100g 56,4g K(ohlen)H(ydrahte) haben. Also nochmals 16,92g KHs hinzu. Macht zusammen 118,62 Gramm KH. Daraus werden nun KEs gemacht. Viele kennen vielleicht BEs. Das sind Brot Einheiten. Sind aber international nicht sehr geläufig und deswegen hat man uns in der Schulung die Kohlenhydrat Einheiten beigebracht.

Ein weiterer Vorteil der KEs ist, sie sind einfacher zu errechnen. BEs werden errechnet, indem man die Menge an KHs durch 12 teilt. KEs werden errechnet, indem man die Menge der KHs durch 10 teil. Im Grunde alles egal, Hauptsache am Ende kommt ein passendes Verhältnis zwischen Kohlenhydratmenge und Insulin heraus. In meinem Fall hab ich also grob gerundet 11,9 KEs. Nun kommt der nächste Schritt…

Der Insulin-Faktor. Denn je nachdem, was ich gerade mache, oder machen will, brauch ich mehr oder weniger Insulin. Dementsprechend muss ich den Faktor anpassen, also größer oder kleiner nehmen. Momentan hab ich am Wochenende, das ich faul vorm PC oder auf dem Sofa verbringe, ein Faktor von 1,6. Also die 11,9 KE mal 1,6 ergibt gerundet 19 IEs. IE sind Insulin Einheiten, und die kann ich an meinem Insulin-Pen (Eine viel einfacher zu handhabende Spritze) einstellen. Das Endergebnis kann sich noch verkleinern oder vergrößern, je nachdem wie mein Ausgangsblutzuckerwert ist.

Wenn er zu hoch ist, muss ich noch Korrektur dafür mit einberechnen. Mein Zielwert liegt bei ungefähr 100mg/dl. Wenn ich z.B. 150 messe, darf ich eine IE dazurechnen. Die Korrekturwerte können sich im Laufe der Zeit auch ändern. So dass man für die 50mg/dl nicht nur eine Einheit spritzen muss, sondern 1,5 oder halt nur 0,5. Aber das ist bei mir momentan noch nicht der Fall.

Das ganze wird in ein Tagebuch eingetragen. Der Ausgangsblutzuckerwert, die errechneten KEs und die IEs. Bei dieser Mahlzeit und einem Ausgangswert von 100 würde ich erst essen und so nach dem 3. Brot dann spritzen. Ich versuche den Blutzucker ja ziemlich stabil zu halten. Also muss ich im Hinterkopf auch ungefähr abschätzen, wie schnell mein Magen das Zeugs verdaut. Fettiges geht sehr langsam ins Blut über. Reiner Zucker oder Süßigkeiten sehr schnell. Das Insulin wirkt je nach dem wie viel ich mir Spritze etwas schneller oder langsamer.

Da mein Körper sehr empfindlich auf Fehlberechnungen reagiert, wiege ich so viel ich kann. Im Restaurant ist es schwer und ich schätze. Aber ich verzichte schon lieber drauf, als dann zu Unterzuckern oder Abends irgendwo bei über 200 zu liegen. Dieses Beispiel ist auch nur ein sehr einfaches.

Nudeln sind blöder. Man kann nicht einfach sagen, die fertigen Nudeln haben pro 100g so viel KH… Denn der eine kocht sie etwas länger… Und schon wiegen sie mehr, weil mehr Wasser drin ist. Das war ein Fehler von der Schulung, und ich bin prompt drauf reingefallen und schön Unterzuckert. Darum, die rohen Nudeln wiegen, die sind immer gleich. Wenn ich alleine esse, war es das. Wenn wir beide hier aus dem gleichen Topf essen geht es folgendermaßen.

  1. Rohe Nudeln wiegen. (250 Gramm) --->  187,5 KH
  2. Nudeln kochen
  3. Gesamtgewicht der fertigen Nudeln (750 Gramm)
  4. Das wiegen, was ich essen will (450 Gramm)
  5. Gesamtgewicht durch gesamt KH teilen ---> 4
  6. Mein Essensgewicht durch 4 teilen ---> 112,5 KH

Sieht kompliziert aus, ist aber wesentlich genauer und funktioniert besser. Denn jeder kocht anders, oder vergisst mal die Nudeln auf dem Herd… Zwinkerndes Smiley

Noch komplizierter wird z.B. Backen! Eine kleine Torte kann schon mal ein DIN A4 Blatt mit Rechnungen verschlingen. Aber dafür kann ich mir dann diese Torte gut berechnet schmecken lassen! Zum Abend gibt es dann ein viertel Torte!

Wenn jetzt noch die Arbeit, Sport oder sogar psychischer Stress hinzukommt, geht es erst richtig los… Solange alles relativ regelmäßig abläuft geht es, aber spontane Aktivitäten können durchaus mal nach hinten losgehen und erfordern dann den Traubenzucker, welcher mein ständiger Begleiter ist. Genauso kann es schief gehen, wenn man eine Aktivität abbricht. Man hat zu wenig gespritzt dann. Und nachspritzen, während das eigentliche Insulin noch wirkt, ist auch schwierig. Doppelt wirkt anders, als einzeln. Hormone beeinflussen das ganze auch. Also, wenn ich mal meine Schilddrüsen Tablette vergesse, könnte es auch anders laufen. Muss aber nicht.

Dann kommen noch die Schwankungen hinzu, die nicht so oft auftreten aber mal so Spontan bewirken, das man etwas mehr oder weniger Insulin braucht. Also so insgesamt. Ach ja… Und dann ja noch das Langzeit. Eine Insulin Art, welche ja über den Tag hinweg wirken soll. Manchmal braucht mein Körper dann etwas weniger davon und es gibt den ganzen Tag Unterzuckerungen… Oder zu hohe Werte. Hmmm… Ist es jetzt Zufall? Oder falsch berechnet? Oder das Langzeit? Oder war was mit dem Essen nicht in Ordnung? Also Abwarten… das gleiche nochmal… wenn es wieder schiefgeht, langsam etwas ändern… Wenn es passt, war es Zufall…

Ich denke, für einen Beitrag reicht das nun wirklich… In Teil 3 versuche ich Euch zu vermitteln, wie es ist zu Unterzuckern und zu Überzuckern… Oder so… Zwinkerndes Smiley

Bei fragen… Fragt! Smiley Einen schönen Sonntag noch…

Kommentare:

  1. Das klingt echt nicht erstrebenswert. Ich finde es erstaunlich mit wieviel Humor du das ganze hier wiedergibst.
    Getreu dem Motto: Lache wenn es zum Weinen nicht reicht. ;)

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  2. Muss zu meiner Schande gestehen, das ich bis jetzt nur den ersten Teil gelesen habe da ich grad noch auf der Arbeit bin, AAABER... müsste es nicht theoretisch möglich sein in einer (kleinen) Schale mit Lotuseffekt dein nutella abzuwiegen und das ganze dann verlustfrei auf dein Brot zu bekommen???

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  3. Ich bewundere dich. Ehrlich. Ich finde es toll, dass du es relativ locker zu nehmen scheinst und gut damit umgehen kannst. Ich ziehe meinen Hut vor dir. Ich wüsste nicht, ob ich das könnte.

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  4. @Imperator: Erstrebenswert sicherlich nicht... Du meinst also, ich hätte das mit Humor wiedergegeben? Erstaunlich... ^^ Bewusst hab ich das jedenfalls nicht getan. ;-)

    @DerDD: Ich hab grad nochmal kurz gegoogelt... Die schreiben oft was davon, das es nicht Lebensmittelecht sein soll... Dann kauf ich mir lieber die Mini-Packungen... Aber ein Klo mit der Versiegelung... ;-) Wie schon gesagt, sollte ich das meinem Chef mal vorschlagen... ^^

    @Piano: Vielen Dank! Aber ich denke, teils trügt der schein hier. Wenn alles passt mit Spritzen und Essen, kann ich gut mit umgehen. Aber wenn es daneben geht... Tja, dann fliegen oft die Nadeln oder anderes Zeugs über den Schreibtisch. Mein eigentlicher Antrieb ist der Gedanke z.B. Blind zu sein, wenn ich nicht alles in meiner Macht stehende dagegen tue... Mit anderen worten, ich hab große Angst vor den Spätfolgen. Ob diese Kombination gut ist? Ich weiß es nicht genau... ;-)

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Danke für die Gabe!